Sommer 2010…
...der zweite.
Spiel nicht mit den Schmuddelkindern
Ein wenig tragisch ist es schon, dass diejenigen, die für Volksentscheide sind, dann mit Ergebnissen konfrontiert werden, die sie dem aufgeklärten, mündigen und vernunftgesteuerten Bürger nicht zugetraut hätten. Doch ist es nicht vernünftig, die eigenen Interessen konsequent zu vertreten und die eigene Kampagnefähigkeit zu nutzen für die Partikularinteressen seiner sozialen Gruppe? Und wenn jemand nicht will, dass seine hochbegabten Kinder länger als 4 Jahre mit den Schmuddelkindern aus der Krachmacherstraße spielen müssen, dann kann er dafür ja wohl auch eintreten. Auch im Wissen, dass Sophie aus dem Ärztehaushalt eine vielfach höhere Chance hat bei gleicher Leistung wie Ahmed aus dem Arbeiterhaushalt, eine Gymnasialempfehlung zu bekommen. Verwunderlich ist dabei nur, dass gar nicht zu hören war beim Hamburger Volksentscheid, dass man Kinder ausgrenzen möchte, nein, natürlich ist es für den Hauptschüler viel besser auf die Hauptschule zu gehen. Interessant, dass das Argument fast ausschließlich von denjenigen genannt wird, die nie eine Hauptschule von innen gesehen haben und deren Kinder dank sozialem Level auch niemals mit einer Hauptschulempfehlung die Grundschule verlassen würden. Nun, immerhin ist man an der Stelle dann doch ehrlich, wenn man anmerkt, dass die eigenen leistungsstarken Kinder von den leistungsschwachen doch bitte nicht ausgebremst werden sollen auf dem Weg zum Juraexamen. 4 Jahre soziales Lernen und Lernen durch gegenseitiges Lehren müssen reichen, keine weiteren Experimente, bitte, sonst verlieren wir noch den Anschluss an die Weltelite in Wissenschaft und Wirtschaft. Die bekanntlich in den USA sitzt. Moment mal. Die amerikanische High School ist ja eine Gesamtschule…
Off
Neulich wollte Anna mit mir abends einen Film gucken. Es regnete und ich hatte keine Lust mehr loszuziehen, eine DVD zu leihen, aber mein einer, nerdiger Mitbewohner meinte, das wär doch kein Problem und öffnete eine Seite im Internet, um dort nach einer guten Stream-Version zu suchen. Anna schaute fragend, ob das nicht illegal sei, was einen Kurzvortrag über das antiquierte deutsche Urheberrecht und den Unterschied von Download und temporären Dateien zur Folge hatte. Also schauten wir den Film per Live-Stream. Zumindest eine Weile. Bei 80%, gerade sollte enthüllt werden, ob sie sich denn nun für den soliden Langweiler oder den Bad boy mit Herz entscheiden würde, brach der Stream ab. Und kam auch nicht wieder. Zusammen mit der Standleitung hatte er sich für den Rest der Nacht verabschiedet. Nach einigen Flüchen und Rettungsversuchen habe ich mich seufzend neben Anna gesetzt, die mich ansah und meinte, sie würde dann doch lieber eine DVD in der Hand haben als einen Stream im virtuellen Raum, ich wäre ihr schließlich auch lieber in echt als in einer Webcam.
Wisst ihr was? Früher fand ich die Leute nervige Fortschrittsverweigerer, die lieber noch Platten kaufen als CDs. Heute bin ich einer von ihnen geworden, wenn auch eine Generation weiter. Also, ob die Silberscheibe CD, DVD oder Blue-Ray heißt, ist mir egal, aber ich bin da genau wie Anna, ich will etwas in den Händen halten, mein Film soll im Regal stehen können und nicht nur im Internet, für jeden zugänglich und abrufbar, aber doch nur virtuell da. Ich möchte CDs hören und nicht nur mp3s, erzählt mir nicht, man würde den Qualitätsunterschied nicht hören, ich will das ganze Lied, nicht seinen komprimierten Klon, das Unbewusste hört mit. Ich möchte face-to-face-communication statt Buschfunk und eigentlich möchte ich nicht face-to-face-communication sagen, sondern Gespräch. Konservativ? Von mir aus. Ich bin 27. So alt war Kurt Cobain, als er sich das Gesicht weggeschossen hat. Ich geh dann mal off, raus aus dem Blog, mir ist gerade etwas eingefallen, das ich in mein Tagebuch schreibe.


Lena goes hollywood – jedenfalls in etwa.